31.07.2010 10:59
Lobschrift auf die Kartoffel
Lobschrift auf die Kartoffel
Die Kartoffel. In Sachsen, Thüringen, Oberfranken wird sie auch "Erdapfel", in Nürnberg und Erlangen "Potake", in der Schweiz "Gummeli", im Donaumoos "Erdbumser", in der Pfalz "Krumenbeere" oder im Vogtland schlicht "Knolle" genannt.Zwar findet man immer wieder kleine Fangruppen, die sich z.B. auf Internetseiten mit Namen wie www.toffi.net oder www.pellkartoffeltage.de der Öffentlichkeit präsentieren, aber dennoch hat sie bei den meisten Europäern den Ruf einer unscheinbaren, langweiligen Knolle.
Wer so denkt, tut der Kartoffel damit jedoch Unrecht. Ihre sehr bewegte Vergangenheit als Nahrungsmittel begann vor etwa 2000 Jahren in den Anden. Die Inkas; eine der ersten Hochkulturen der Erde, bauten das anspruchslose Gemüse auf steilen, hohen Berghängen an. Sie hatten ein ganz anderes Bild von der Kartoffel als wir heutigen Europäer und verehrten sogar den guten Geist "Axo-Mama" - die Kartoffelmutter.
Jahrhunderte später entdeckten die Spanischen Inquisitoren den Wert der Kartoffel und brachten sie erstmals 1570 nach Europa.
Dort führte die Kartoffel wegen verschiedenen Missverständnissen fast 200 Jahre lang ein Schattendasein als seltene Zierpflanze und schaffte erst Anfang des 19. Jahrhunderts den Durchbruch als Nahrungsmittel. Einmal entdeckt, war ihr Aufstieg kaum aufzuhalten, schließlich erlaubte der Kartoffelanbau es dem Landwirt erstmals, mit der Produktion mehr als die eigene Familie zu versorgen.
Ohne die dadurch aus der Landwirtschaft freigesetzten Arbeiter wäre keine Industrialisierung möglich gewesen - und wo wären wir heute, hätte es die Industrialisierung nicht gegeben...?
Jedenfalls erlaubte der Kartoffelanbau auch erstmals rasches Bevölkerungswachstum. So verfünffachte (!) sich die Einwohnerzahl Irlands ab 1800 in nur 45 Jahren. Als 1845 jedoch ein Pilz die gesamte Kartoffelernte vernichtete, verhungerten über eine Million Iren, weitere 1,5 Millionen verließen das von der Hungersnot gebeutelte Land und wanderten nach Amerika aus; bis 1914 sollten ihnen noch vier Millionen Landsleute folgen.
Ist die Kartoffel erstmal allen Plagen wie Pilzbefällen, Kartoffelkäfern oder durch Blattläuse übertragene Viren entgangen, kann sie auf verschiedenste Art und Weise zubereitet werden. Man kann sie kochen, braten, fritieren, pürieren, backen, in kleine Scheiben geschnitten trocknen und sogar zu Alkohol brennen.
Inzwischen hat die Knollenfrucht sogar das Weltall erobert. Auf der russischen Raumstation "MIR" züchteten die Astronauten, um frisches Gemüse essen zu können, in der Schwerelosigkeit Kartoffeln.
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